Was weg kann: Bodyshaming

Textausgabe Fr 04.01.2019

Wir schreiben das Jahr 2019 und Bodyshaming ist immernoch überall. Wtf?

Wir haten Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe, ihren Narben, Muttermalen, Pickeln, ihrem Muskel- und Körperfettanteil, ihrer Körperbehaarung, ihrer Körperform, ihrer Größe, der Größe einzelner Körperteile oder ihrer Behinderung. Dabei wachsen uns regelmäßig, quasi über Nacht, neue Problemzonen: #tighgap #bikinibridge #a4challenge. Aber keine Sorge, die alten Problemzonen bleiben uns erhalten und überhaupt, sei einfach du selbst, außer an deinem Körper ist etwas zu dunkel, zu hell, zu dick, zu dünn, zu viel, zu wenig, zu langweilig, zu auffällig, zu irgendwas. Dann bring das bitte mit teuren Pflegeprodukten, der richtigen Ernährung, regelmäßigem Sport oder einem kleinen chirurgischen Eingriff in Ordnung.

Sei einfach du selbst – niemand will deine Augenringe sehen

Und bitte verlass das Haus nicht ungeschminkt – niemand will deine Augenringe sehen. Stell dir einfach deinen Wecker etwas früher. Für einen natürlichen Look benötigst du lediglich einen guten Primer, Foundation, Make-Up, Puder, Liedschatten, Wimperntusche, Augenbrauenstift, Lippenstift und Rouge. So zauberst du dir nach der täglichen Pflege mit Reinigungsöl, Gesichtswasser, Peeling, Booster und Anti-Aging-Creme im Handumdrehen ein gesellschaftlich akzeptiertes Gesicht. Wenn du ein Mann bist, verwendest du Wasser und Seife, oder bist du schwul oder was?! Wenn du eine Frau bist und deinen Mitmenschen dein ungeschminktes Gesicht zumutest, bist du wahrscheinlich eine hässliche, männerhassende Feministin oder du siehst aber heute müde aus, bist du krank? Willkommen im Jahr 2019.

Ständig bewerten wir unsere Körper anhand von relativ willkürlichen Kriterien und vergleichen uns mit einem Schönheitsideal, das kein Mensch jemals erreichen kann. Kein Mensch, jemals, denn es gibt keine perfekten Körper und das Streben danach ist sowas von 1933. Können wir das bitte endlich überwinden? Es nervt.

My body is not your business

Wenn ich mir Sorgen um jemanden mache, weil die Person sehr stark ab- oder zugenommen hat, kann ich sie auch fragen, wie es ihr geht und ob ich sie unterstützen kann. Ich muss nicht kommentieren, wie stark sie ab- oder zugenommen hat. Es ist nicht mein Körper und auch umgekehrt gilt: My body is not your business. Was sich natürlich nicht nur auf das Gewicht bezieht, sondern auf schlicht alle Aspekte, die ein menschlicher Körper eben so mit sich bringt.

Diversität bitte danke

Kommt doch bitte endlich damit klar, dass Menschen unterschiedlich stark ausgeprägte Körperbehaarung haben und sich nicht jede Person enthaaren möchte, dass sich das Körpergewicht nicht nur unterscheidet, sondern auch unterschiedlich auf verschiedene Körperteile verteilt, dass Geschlechtsteile und Gliedmaßen unterschiedlich ausgebildet, nicht immer funktionsfähig und manchmal nicht (mehr) vorhanden sind, und dass uns selbst die Natur weit mehr Vielfalt als zwei langweilige Kategorien zugesteht. Diversität heißt das Zauberwort und am Ende des Tages macht es tatsächlich für jeden von uns einen Unterschied, ob Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal gehatet oder Körper in ihrer Vielfalt respektiert werden.

Body Neutrality

Deshalb muss ich meinen Körper jetzt nicht feiern oder lieben. Es ist einfach ein Körper – ohne Wertung. Ja, wir haben heutzutage in einem gewissen Rahmen verschiedene Möglichkeiten etwas an unserem Körper zu ändern, wenn wir uns in ihm sonst nicht wenigstens einigermaßen wohlfühlen können oder er nicht tut, was er aus überlebenstechnischen Gründen sollte, aber wir haben nur diesen einen unperfekten Körper. Und Photoshop.

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